Rubbeln, kneten, straffen
Standard Rondo April 2009 - Innovativer Figurwickel
Frühlingsputz für den Körper. Cellulite muss weg und trockene Haut ab. Die Waffen der Körperkosmetik stehen bereit. Wer will, darf kämpfen. Von Karin Pollack
Frühlingsboten müssen nicht immer Schneeglöckchen sein, im urbanen Umfeld sind es die Schaufensterauslagen, die ziemlich schnell nach Weihnachten suggerieren, dass es nun bald wärmer werden soll (und damit dieses Jahr auch vollkommen falsch liegen). Werbeplakate für Cellulite-Produkte sind derzeit die Frühlingsboten in Apotheken und Parfümerien. Sie sollen den Fettdepots, die sich zwischen den elastischen Kollagenfasern in den Wintermonaten angesammelt haben, an den Kragen gehen. Das Problem kennen nicht nur Übergewichtige, auch schlanke Menschen leiden an den als unschön eingestuften Dellen an der Hautoberfläche, vor allem sind Frauen von Cellulite betroffen, weil die Elastizität der elastischen Fasern durch Östrogene beeinflusst wird.
Straffe Schenkel mit seidenweicher Pfirsichhaut
gelten jedenfalls schönheitstechnisch als Benchmark
... und die über die Wintermonate vernachlässigte Haut, die oftmals trocken und schuppig geworden ist, will fit für die freizügigere Jahreszeit gemacht werden. Wer das will, hat folgende Optionen: Peelings beim Duschen, Cellulite-Creme vor dem Schlafengehen (Over-Night-Produkte sind ein neuer Trend, möglicherweise weil sich der Eindruck ergibt, Fett würde über Nacht schmelzen) und reichhaltige Body- Lotions. Apropos Illusion: Kosmetik allein macht selbstverständlich niemals schlank, wer zusätzlich auf ausgewogene Ernährung mit viel Gemüse, wenig Kohlehydraten und fast keinem Zucker achtet und sich darüber hinaus zumindest dreimal pro Woche sportlich betätigt, hat gute Chancen, der persönlichen Traumfigur tatsächlich näherzukommen.
Wer es noch ernsthafter angehen will und zudem bereit ist, Geld in den Körper zu investieren, kann Geräte wie Cellu M6 bei Dermatologen dazukombinieren. Das sieht ein bisschen aus wie ein Fitnessgerät, arbeitet mit elektronisch gesteuerten Präzisionsrollen und knetet die Fettpolster quasi aus. „Es ist eine Art Gewebegymnastik und erreicht jene Hautschichten, in denen die Fettzellen gelagert sind“, erklärt die Wiener Dermatologin Heidemarie Schön und weiß, dass man diese Regionen in der Haut weder durch Sport noch durch kosmetische Produkte zum Eincremen erreichen kann. Allerdings, sagt sie, müssten solche Anwendungen, um tatsächlich Effekte zu zeigen, mit großer Konsequenz über einen längeren Zeitraum verfolgt werden. Zu Beginn einen Monat lang zweimal pro Woche, dann zwei Monate einmal pro Woche und langfristig einmal pro Monat. Durch die Knetmassage mit den Rollen werden Lymphfluss und Durchblutung angeregt, und das lässt die Dellen verschwinden.
Eine andere drastische Maßnahme,
der innovative Figurwickel
Eine andere drastische Maßnahme ist das, was derzeit als „innovativer“ Figurwickel unter dem klingenden Namen „Wrap ’n’ go“ (399 Euro) beworben wird. Wer sich dazu entschließt, cremt sich mit Spezialprodukten ein, zieht sich eine Art Folienanzug an und schnallt einen speziell entwickelten Kompressionsanzug samt Bauchgurt drüber. So adjustiert geht es dann zum Sport. „Beim Gehen, Laufen oder Krafttraining ergibt sich dann eine Massage mit Lymphdrainage“, erklärt der Erfinder der Methode, Oswald Millet. Nur gut, dass sich diese Art der Cellulite-Bekämpfung vollständig unter Trainingshosen verstecken lässt. Jedenfalls ist der Ring für den Kampf gegen den Winterspeck eröffnet. Noch sind ein paar Wochen Zeit, sich für die Sommersaison zu rüsten.
Ein letzter Nachtrag: Die Körper der Models auf den Werbeplakaten werden immer Illusion bleiben. Wer genau hinsieht, kann sehen, dass sie retouchiert sind.
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